zuerst einmal: chapeau, herr augstein. vieles von ihrem beitrag würde der unbedeutende autor dieses blogs sofort unterschreiben, insbesondere ihre analyse der reaktion der deutschen autoritäten auf den terroristischen anschlag in norwegen, durchgeführt von einem fundamentalistisch-radikalen konservativen christen.
ja, sie haben vollkommen recht wenn sie schreiben:
Sicherheitsbehörden, Politik und Unternehmen haben da eine klare Haltung: Freiräume sind Gefahrenräume.
in einem punkt jedoch irren sie sich, und zwar wenn sie folgende sätze schreiben:
Das Netz als Medium der Freiheit hat zu viele Feinde um auf Dauer zu bestehen. Und zu wenige Verteidiger.[...]
Die Zukunft des World Wide Webs? Das Netz wird in zwanzig Jahren stärker sein als heute. Aber es wird ein Netz sein, das uns gefangen hält.
der erste punkt wo sie sich irren: es kommt gar nicht auf die zahl der verteidiger an.
autoritäre ideen wie die zensur des netzes, wie sie in staaten wie china, iran oder deutschland und anderen verfolgt werden, sind zum scheitern verurteilt. warum?
das netz war von jeher so konzipiert dass es unzerstörbar sein sollte – das war die grundidee, bitte recherchieren sie selber zum stichwort ARPANET. ja, man kann einzelne verbindungen trennen – dafür bleiben dann aber genug andere.
zugegeben, genau aus der von ihnen erwähnten angst der autoritäten wird genau an diesem vorteil kräftig gesägt; doch diese zensurbestrebungen totalitärer staaten sind zum scheitern verurteilt, weil das netz von anfang an gegen solche angriffe gefeit sein sollte.
es gibt eben nicht nur das “offizielle” netz mit seinen partizipationsmöglichkeiten, das wir alle über den browser unserer wahl aufrufen.
lassen sie mich etwas ausholen.
wenn die meisten menschen an das netz denken, dann verbinden sie damit in der tat zuerst alles, was man mit einem browser aufrufen kann. doch da ist weitaus mehr.
ich will sie gar nicht mit dingen wie usenet, irc, p2p-programmen oder email langweilen, obwohl alle diese auch teil des netzes sind.
viel wichtiger jedoch sind projekte wie das freenetproject, bitte nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen provider, die sich eben genau gegen die von ihnen erwähnte zensur und einschränkung des “offiziellen” netzes auflehnen.
stimmt, der normale user kriegt davon nichts mit, weil er es in der regel nicht braucht – bis er sich der zensur, wie sie auch im leserforum des spiegels geübt wird, bewusst wird. doch wenn es erst soweit ist wird der interessierte nutzer eben auch auf diese freien zonen stossen und sie nutzen. oder er kriegt den tip halt von einem versierteren bekannten. so oder so, die alternativen gibt es schon, und sie werden genutzt. wenn nicht jetzt, dann halt später.
menschen wollen teilhaben, wollen sich verwirklichen. das netz bietet die gelegenheit dazu. sehen sie sich diesen post an; vielleicht lesen ihn nur wenige, aber das ist gar nicht so wichtig.
viel wichtiger ist: sie sind ein bekannter journalist und veröffentlichen ihre inhalte im netz.
ich bin ein niemand, und ich tue trotzdem dasselbe.
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