13
Aug
09

prostitution, stricher, drogen, steuerhinterziehung und protzige villen

die sueddeutsche zeitung hat einen neuen rekord im einfallslosen linken-bashing aufgestellt, mit folgendem vergleich:

Ausgerechnet Eliot Spitzer. Der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaats New York hatte sich doch als Kämpfer gegen die Prostitution profiliert.[...]
Dann ließ sich Spitzer mit einem Edel-Callgirl erwischen.
[...]
Ausgerechnet Ted Haggard. Der Mann galt dem Time Magazine als einer der einflussreichsten evangelikalen Christen der USA. Er pries Gott, lobte den Wert der Familie und predigte gegen Homosexuelle. Dann beschuldigte ihn ein Stricher, Haggard habe ihn über Jahre für Sex bezahlt. Und man habe gemeinsam Drogen konsumiert.
[...]
Ausgerechnet der Träger des Bundesverdienstkreuzes, Klaus Zumwinkel. Für besondere Leistungen in Politik, Wirtschaft oder sozialen Bereichen hatte er die Auszeichnung bekommen. Dann versteckte der ehemalige Postchef sein Geld in Liechtenstein vor der Steuer.
[...]
Und ausgerechnet Oskar Lafontaine, der sich als Kämpfer für Menschen am Existenzminimum profiliert und die Gier der Bosse geißelt. Er, Vorsitzender der Partei Die Linke, ließ sich eine protzige Villa im französischen Landhausstil bauen.

genau, riesenschweinerei. endlich stellt die sueddeutsche mal klar: ob protzige villa oder kokain an der eichel, gleiche schublade. darum ist oskar lafontaine auch unwaehlbar: weil er eine protzige villa besitzt.
aber glauben sie nicht der sueddeutschen, glauben sie einem psychologen:

Das passt doch alles nicht zusammen, oder? Doch, es passt. So funktioniert er, der Mensch. Fragt man Psychologen, klingt es, als wohne dem widersprüchlichen Verhalten der beschriebenen Männer eine Gesetzmäßigkeit inne.

mensch herr herrmann, elegant formuliert. natuerlich konnten sie nicht schreiben, dass oskar lafontaine ein fall fuer den psychiater ist oder von psychiatern als beispiel fuer eine gespaltene persoenlichkeit angefuehrt wird. aber den eindruck erwecken, das koennen sie gut!

So zeigt sich in zahlreichen Studien, dass Menschen, die sich öffentlich als moralisch besonders integer profilieren, eher dazu neigen, gegen genau diese Normen zu verstoßen. Ganz so, als brauchten sie den Kitzel einer besonderen Fallhöhe. Das Verhalten und die Motive eines Eliot Spitzer und anderer lassen sich im Einzelfall damit zwar nicht erklären.

eben, das ist doch total widerspruechlich wenn sich einer fuer mindestloehne einsetzt der in einer villa wohnt. nachher bauen sich alle anderen auch franzoesische landhausvillen von ihren mindestloehnen, das kann doch nicht mal der oskar wollen. der sollte sich mal lieber ein beispiel an anderen politikern nehmen – die wohnen in villen und sind auch total ehrlich gegen mindestloehne. also waehlen sie mal lieber die, die sind geistig gesund. der oskar nimmt ihnen nach der wahl wahrscheinlich alles weg und steckts in seine protzige franzoesische landhausvilla!

aber folgen wir mal einen moment dieser logik und nehmen an, es waere tatsaechlich so – was wuerde das bei anderen politikern bedeuten?

wolfgang schaeuble ginge es dann wohl nur so um die innere sicherheit weil er selber terrorist ist. ursula von der leyen wuerde fantasievolle eigenproduktionen mit ihren kindern online stellen, westerwelle ist ein verkappter kommunist, sabine baetzing benutzt den gleichen strohhalm fuer cocktails und kokain, guttenberg ist ein notorischer pleitegeier und angela merkel greift aktiv in die politik ein. wer weiss, was in diesem paralleluniversum noch so anders waere. wahrscheinlich regnet es von unten nach oben, katzen bellen, hunde miauen, krieg ist frieden, freiheit ist sklaverei und ignoranz ist staerke.


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