27
Jun
09

bananenrepublik deutschland

wahrhaftig, unser land geht vor die hunde. man mag es sich eigentlich nicht mehr antun – die arroganz unserer sogenannten volksvertreter, die doppelmoral, den fanatismus einzelner.

nehmen wir beispielsweise mal die christlichen fanatiker, die im jemen offenbar ermordet wurden. was ist das geschrei da gross, sowas geht ja mal gar nicht, wenn muslime einfach so christen abmurksen! dabei ist die sachlage eigentlich klar: im jemen sind missionierungsversuche verboten. VERBOTEN. es gibt tatsaechlich ein gesetz dafuer, man hoere und staune – ist das nicht ein merkmal fuer einen rechtsstaat? das es gesetze gibt, die auch durchgesetzt werden? nein, natuerlich nicht. es gibt recht und unrecht, ja natuerlich – aber recht ist nicht immer gerecht. in der so verfemten DDR war republikfucht ein kapitaldelikt, das die erschiessung durch die grenzposten rechtfertigte. aber die DDR war natuerlich kein rechtsstaat, wo kaemen wir da denn hin? fremde staaten messen wir ganz selbstverstaendlich an hohen moralischen standards, waehrend wir in unserem eigenen staat da durchaus ein wenig mehr laissez-faire zulassen. und damit wir uns da nicht falsch verstehen: einen menschen zu ermorden ist falsch. eine suende, um das vokabular der religionsfanatiker zu benutzen. wie die giftspritze fuer angebliche moerder da reinpasst, na, das kann sich jeder selber zurechtlegen.

aber es war absehbar, und daher kann ich keinerlei mitleid empfinden. weder mit den opfern, noch mit der familie der opfer. wer sich freiwillig an einer bibelschule zum missionar ausbilden laesst, um dann im jemen missionarsarbeit zu leisten, der ist entweder „batshit crazy“ oder, nein, UND total fanatisch.

doch sind die etiketten austauschbar. ob maertyrer oder terrorist, missionar oder fanatiker, es ist alles eine frage des standpunktes:

Die Ermordung von drei Frauen und die Entführung einer fünfköpfigen deutschen Familie sowie eines britischen Ingenieurs wurde ganz offenbar aus religiösem Fanatismus von islamistischen Extremisten begangen. Die Tat richtet sich nach Ansicht von Experten offenbar gegen christliche Missionsarbeit, die im humanitären Einsatz der Ausländer gesehen wurde.

quelle

man merke: wenn wir menschen ins ausland schicken, um andere menschen zu bekehren, dann ist das ein humanitaerer einsatz. wenn sich der islam das nicht gefallen laesst, dann ist das fanatismus. und wenn in koeln eine moschee gebaut wird… naja, lesen sie mal selber.

was war denn da noch? ach ja, der gerechte krieg in afghanistan. afghanistan, sie wissen schon – das land, wo wir zuerst die lieben fundamentalistischen taliban gegen die boesen russen unterstuetzt haben, weil die einfach so ihr schoenes land besetzt haben. und jetzt haben wir afghanistan besetzt, um den lieben amerikanern in ihrem gerechten kampf gegen die boesen fundamentalistischen taliban beizustehen.
wieder mal nur eine frage der etiketten. gegen die russen waren sie uns gut genug, das wars dann aber auch schon.

ach, und der herr tauss hat ja zu den piraten gewechselt. ich will hier nicht in alten wunden bohren, zumal es mehr als zweifelhaft ist, ob der herr tauss sich nun wirklich auf haarlose muschis einen runterholt, oder wirklich nur auf eigene faust ermitteln wollte. spielt eigentlich auch keine rolle, beides ist in meinen augen gleichermassen verwerflich – entweder engagiert man sich selbstlos fuer eine sache, oder aus persoenlichen motiven. letzteres hat herr tauss auch unumwunden zugegeben – dass die sprengung eines kinderpornorings seiner popularitaet durchaus nicht geschadet haette.

das sind unsere abgeordneten, liebe leser. es geht nicht um die kinder, so wenig wie es zensursula bei ihrer schilderwaldaktion um die kinder ging bzw. geht. es geht um die aufmerksamkeit der massen. unter diesem licht ist auch der beitritt zur piratenpartei zu sehen – skandal im sperrbezirk! und die medien gabeln es dankbar auf. schlauer fuchs, dieser herr tauss. eine persona non grata tritt der piratenpartei bei – medienecho garantiert. gleich kommts mir hoch.

was war denn da noch? ach ja, die ganzen rettungspakete. arcandor hat ja leider keines bekommen, dafuer spendiert man quelle den winterkatalog. macht ja nix, alles streng nach den gesetzen der marktwirtschaft, denn das eine unternehmen ist ja im kern gesund – das andere nicht. ups, die gehoeren zur gleichen holding? naja, macht ja nix, mal fix ein neues etikett gedruckt.

ueberhaupt, rettungspakete. gluecklicherweise gibt es die ja, denn wie sollte man sonst boni an seine mitarbeiter ausschuetten, obwohl das unternehmen ohne staatsgeld laengst pleite waere?

was bin ich gluecklich, in diesem lande zu leben. NOT. eher bin ich gluecklich, dass sich die menschen mit einem gewissen immer noch von gewalt distanzieren. denn sonst wuerden hier haeuser brennen, ach was rede ich, den reichstag sollte endlich mal wieder einer anzuenden – aber moeglichst waehrend einer abstimmung zur diaetenerhoehung! da sind wenigstens genug parlamentarier anwesend.

fuer heute hab ich genug, obwohl die schreibpause wahrhaftig lange genug war. doch mir kommt es gerade wieder hoch. verdammte bananenrepublik.


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