15
Sep
08

die identitaetskrise der maenner

neulich drehte sich auf arte alles um maenner, genauer gesagt um die identitaetskrise, in welcher manche maenner heute stecken; und es war wahrlich ein trauriger anblick, all diese armen, verwirrten opfer zu sehen, die weder ein noch aus wissen.

nun muss man zugeben, als mann wurde man innerhalb der letzten jahrzehnte ziemlich gebeutelt, wenn man es denn zugelassen hat. aus eigener erfahrung kann ich sagen, dass eine feministische mutter nicht gerade hilfreich ist, wenn man sich gerade in der persoenlichkeitsbildung befindet.

der moderator der folgenden diskussion (welche ich derzeit auf youtube hochlade, bitte etwas geduld, ich reiche es nach) war allerdings ein gutes beispiel dafuer, wo das eigentliche problem vieler maenner heutzutage liegt: herkoemmliche rollenvorbilder bringen uns nicht mehr weiter. die ansprueche sind gestiegen. es reicht nicht mehr, einfach nur “maennlich” zu sein; viel schlimmer noch, was ist ueberhaupt “maennlich”?

frueher liess sich diese frage recht einfach beantworten, zumindest davon ausgehend, was der gesellschaftliche konsens war, ueber individuelle ansichten laesst sich streiten. auf einige grundregeln eingedampft war der mann jedenfalls der aktive, dominante part in der beziehung, der das geld heimbrachte, entscheidungen traf oder doch zumindest absegnete und seine gefuehle moeglichst unterdrueckte, ausgenommen er war besoffen oder geil.

heute ist das nicht mehr so einfach; die frauen – ich finde, das kann man so sagen – haben das traditionelle maennerbild in frage gestellt, ja teilweise sogar absichtlich demontiert und die maenner damit befreit.

leider gibt es einen haken: an die stelle des althergebrachten rollenbilds ist kein neues getreten, heutige maenner haengen so ziemlich im luftleeren raum. “wie soll ich mich verhalten?”, fragen sie, und die frauen koennen keine antwort geben; einerseits vielleicht, weil sie – wie auch in der diskussion erwaehnt – selber nicht wissen was sie wollen, bis sie es endlich finden. der reiz des unbekannten, anderen wird dort erwaehnt, und damit das dilemma auf den punkt gebracht.

denkt mal nach, kumpels; wollt ihr eine frau oder freundin, die genauso ist wie ihr? die euch an einer hand hochheben kann? die euch unter den tisch säuft und bei halbnackten kerlen im TV zotige sprueche ablaesst?

wohl kaum. aber wieso nehmt ihr das dann von den frauen an? (man verzeihe mir das abrutschen in stereotype, aber abgesehen von diesen gibt es halt kaum noch klar definierbare maennliche / weibliche verhaltensweisen.)

es sagt ja keiner dass sich die frau nicht freut, wenn sie mit einem schoenen abendessen ueberrascht wird, oder mit einer sauberen + aufgeraeumten wohnung. wenn ihr allerdings “typisch weibliche” verhaltensweisen adaptiert – warum sollte euch eine frau anziehend finden? warum sollte sie mit euch eine beziehung wuenschen? wenn frau einen maennlichen ersatz fuer ihre beste freundin sucht, dann lacht sie sich lieber einen schwulen freund an. das ist weitaus unkomplizierter als eine freundschaftliche beziehung zu jemandem, der sie nur von der bettkante schubst weil auf dem boden mehr platz ist.

denkt mal drueber nach, wie bedroht sich manche maenner vorkommen, wenn frauen ploetzlich “traditionell maennliche” nischen besetzen. frauen gehts genauso; ich erinnere mich an den ausspruch einer ex “ich komme mir richtig doof vor, weil du besser kochst als ich”.

all das koennte man ja beiseite wischen mit einem schnoddrigen “ihr wolltet gleichberechtigung, also kriegt ihr gleichberechtigung!”, wenn diese aussage nicht so grundlegend falsch waere.

zur erinnerung: rechte sind keine pflichten. gleichberechtigung heisst: ihr koennt es tun, ihr koennts aber auch lassen. daher ist gleichberechtigung auch kein problem, das problem ist vielmehr die gleichmacherei. als problem bei der gleichberechtigung sehe ich vielmehr, dass oft rechte erkaempft werden, die eigentlich mit pflichten verbunden sein sollten. nehmen wir die wehrpflicht; maenner MUESSEN wehr- oder wehrersatzdienst leisten, frauen KOENNEN. der eigentlich erforderliche naechste schritt waere eigentlich, die allgemeine wehrpflicht in ein wehrrecht umzuwandeln. wir haben doch ohnehin zu viele rekruten, alleine deswegen macht eine wehrpflicht auch fuer frauen keinen sinn.

aber zurueck zu den maennern. diese haengen nun im luftleeren raum und suchen verzweifelt nach neuen vorbildern, und da liegt das eigentliche kernproblem. waehrend die frauen sich ihr neues selbstverstaendnis erkaempft haben, teilweise auch gegen bevormundung aus den eigenen reihen (was uebrigens das witzigste am ganzen feminismus war, als frauen wie alice schwarzer ihr wertesystem auch anderen aufzwingen wollte), haben die maenner eigentlich zuerst nur in ihrer ecke gesessen und ihre wunden geleckt. manche tun das uebrigens bis heute. der rest sucht verzweifelt nach einem neuen selbstverstaendnis, und wendet sich dafuer ausgerechnet an die frauen.

ewig koennte ich noch so weiterschreiben, aber der punkt ist – hoffe ich – klar.

frauen wollen keine maenner, die ihnen jeden wunsch von den lippen ablesen, oder besser noch vorauseilenden gehorsam ueben. und am allerwenigsten wollen sie weibliche maenner, was auch immer nun weiblich sein soll. abgesehen davon, dass auch frauen nicht staendig dasselbe wollen.

ein beispiel: moechtet ihr immer zaertlichen, langen sex in der missionarsstellung? oder moechtet ihr auch mal spontan ueber eure frau/freundin herfallen, sie gegen die wand druecken und spielerisch in den hals beissen, waehrend ihr sie euer verlangen spueren lasst?

routine ist langweilig, konformisten erst recht. ihr wollt eure freundin mit einem sinnlichen abend ueberraschen? gutes essen bei kerzenlicht, rosenblaetter auf dem badewasser und eine zaertliche massage, die dann in leidenschaftlichen sex uebergeht? sehr schoen, tut es! nur tut es nicht staendig, und schon gar nicht wenn ihr euch dazu verbiegen muesst.

versucht nicht immer perfekt zu sein, erstens geht das nicht und zweitens ist perfektion stinklangweilig.


4 Antworten zu “die identitaetskrise der maenner”


  1. 22. September 2008 um 21:59

    Ich empfehle ja für Beziehungen gern das Prinzip “Wippe”.

  2. 23. September 2008 um 16:52

    prinzip wippe = der schwerere von beiden laesst den leichteren erst runter, wenn alle forderungen erfuellt sind?

  3. 23. September 2008 um 21:13

    Das hast Du gesagt!
    ;-)
    Nö, aber im Ernst: Wenn jeder mal cheffen darf/muss, dann fühlen sich beide Beteiligten oft genug gut, um sich gegenseitig aushalten zu können.


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