die klassische journaille uebt sich in der imitation des „web 2.0″ (ueberkommt ausser mir noch jemanden bei dieser vokabel eine tiefgreifende uebelkeit?)
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/442239
wie gewuenscht ueben sich die freiwilligen produzenten seichter unterhaltung bei jetzt.de im sexforum in halbwegs amuesanter, plaetschender konversation zwischen einer redakteurin und einem redakteur, wahlweise auch umgekehrt.
nachdem draengende problemkomplexe wie der umgang mit der schwiegermutter des freundes / der freundin, die bedeutung von titten- und schwanzgroesse einigermassen befriedigend durchgehechelt wurden, widmet man sich nunmehr den handwerklichen qualitaeten des mannes, oder der frau, oder vielleicht geht es ja auch um etwas ganz anderes, das ist beim gefaelligen geschwalle ueber die eigene andersartigkeit im vergleich zu all den anderen maedchen und jungen schwer zu sagen.
dennoch erfuellt es mich mit freude und zuversicht, dass ein klassisches printmedium wie die sueddeutsche denen eine plattform bieten will, deren person, themen und meinungen gefaellig sind.
nun kann man der sueddeutschen daraus nicht unbedingt einen strick drehen, denn in bayern sind die grundrechte des staatsbuergers prinzipiell durchaus existent, werden aber gelegentlich ziemlich frei interpretiert.
so amuesiere ich mich weiterhin ueber die sexkolumne der sueddeutschen, die fragen von jungens und maedels beantworten will – und dabei in schoener regelmaessigkeit ihre autorisierten paradejugendlichen fuchs, dreyer, scharnigg und waechter den dialog zwischen den geschlechtern fuehren laesst.
dennoch muss man der „jetzt“-abteilung der sueddeutschen im gegensatz zur „einestages“-abteilung des spiegels zugute halten, dass man wenigstens semiprofessionelle schreibknechte gewaehlt hat – statt etablierte, aufstrebende, unbekannte oder unbedeutende buchautoren mittels kleiner informationshaeppchen, gefaelliger fotos und prominenter platzierung im ersten drittel der hauptseite sich – moeglichst zeitnah zur buchveroeffentlichung – selbst darstellen zu lassen.
wie david letterman vor geraumer zeit zum (damals brandneuen) blogprojekt der new york times sagte (iirc):
„kudos to the new york times for giving a voice to the already voiced“.
dies mag man durchaus auf die onlinepraesenzen der ueblichen verdaechtigen uebertragen.
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